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Südkoreanische Opposition will Krypto-Steuer komplett abschaffen

Südkoreanische Opposition will Krypto-Steuer komplett abschaffen

Die südkoreanische Opposition hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, um die geplante Krypto-Steuer komplett abzuschaffen.

Die südkoreanische Opposition will die geplante Krypto-Steuer nicht nur verschieben, sondern komplett abschaffen. Die People Power Party (PPP) hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, der digitale Vermögenswerte vollständig aus dem Einkommensteuergesetz streichen soll. Ursprünglich war die Einführung einer 22-prozentigen Steuer auf Krypto-Gewinne für 2027 geplant.

Die Demokratische Partei, die die Mehrheit im Parlament hält, hatte zuvor einer zweijährigen Verschiebung zugestimmt. Nun prüft sie die komplette Abschaffung. Ausschlaggebend dafür ist ein Kapitalabfluss von geschätzt 110 Milliarden US-Dollar, da Anleger ihre Gelder ins Ausland verlagert haben, um der geplanten Steuer zu entgehen.

Die geplante Steuer sah eine Belastung von 22 Prozent auf Gewinne ab umgerechnet 1.781 US-Dollar vor. Zum Vergleich: Am Aktienmarkt liegt die Freigrenze bei umgerechnet 35.600 US-Dollar. Die PPP kritisiert diese Ungleichbehandlung von rund sechs Millionen Krypto-Tradern als diskriminierend.

Der Gesetzesentwurf geht über die zuvor vereinbarte Verschiebung hinaus und zielt auf die vollständige Streichung der Besteuerung virtueller Vermögenswerte ab. Die Opposition reagiert damit auf die bereits erfolgte Kapitalflucht in Länder mit günstigerer Regulierung. Die heimische Krypto-Branche droht ohne Gegenmaßnahmen dauerhaft an Dynamik zu verlieren.

Der globale Kontext verschärft den Druck: Während die USA eine krypto-freundlichere Haltung signalisieren, könnte eine restriktive Steuerpolitik Südkoreas digitale Wirtschaft dauerhaft benachteiligen. Die Frage ist, ob eine Steuerabschaffung das abgeflossene Kapital zurückholen kann.

Für die sogenannten "Ameisen" – die retail-Investoren in Südkorea – wäre eine Steuerfreiheit ein klares Signal, Gelder zurück auf regulierte Plattformen wie Upbit oder Bithumb zu bringen. Derzeit fließen die Gelder aufgrund der Steuerdrohung in Offshore-Börsen oder private Wallets.

Ein wichtiger Indikator ist der sogenannte "Kimchi Premium" – die Preisdifferenz zwischen koreanischen und internationalen Börsen. Historisch gesehen stieg dieser aufgrund von Kapitalkontrollen und regulatorischer Unsicherheit. Eine Steuerfreiheit könnte diesen Premium normalisieren und zu einem echten Stimmungsmesser machen.

Die Abschaffung ist jedoch nicht garantiert. Die Demokratische Partei hält die Parlamentsmehrheit und muss dem Gesetzesentwurf noch zustimmen. Die geplante Einführung im Jahr 2027 bleibt rechtlich bestehen, bis eine formelle Abstimmung stattfindet. Zudem hat das Finanzministerium bereits umgerechnet 2,2 Millionen US-Dollar in ein KI-gestütztes System zur Transaktionsverfolgung investiert, das bei einer Steuerabschaffung obsolet würde.

Die Entscheidung wird voraussichtlich in den kommenden Monaten fallen. Südkorea steht vor der Wahl, entweder als Krypto-Standort zu bestehen oder weiterhin Kapital an ausländische Börsen zu verlieren. Die retail-Investoren beobachten die parlamentarische Debatte genau – das Abstimmungsergebnis wird die Zukunft des heimischen Krypto-Marktes entscheiden.

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